|
Maik Lippert
Jg. 1966/176
cm/85+-3 kg/Schuhgroesse 44,
offiziell noch wohnhaft in Kleinfahner (bei Erfurt),
aber die meiste Zeit in Frankfurt a.M. anzutreffen.
1986-1991 wirtschaftswissenschaftliches Studium in Moskau.
Seit 1994 in kaufmaennischer Arbeit unter Ausbeutung
der erworbenen Russischkenntnisse in Frankfurt a.M.
und Umgebung. Veroeffentlichungen in diversen Zeitschriften
und Anthologien, sowie Publikationen im Selbstverlag.
Wolfgang-Weyrauch-Foerderpreis
beim
Lyrik-Wettbewerb "Literarischer März 2001"
Meinungen,
Kritiken und Nachfragen zu weiteren Texten
koennen telefonisch unter 069/70794263 ausgerichtet werden.
COOL BABY COOL
sonntag nach
drei auf dem sportkanal
der ferrari verreckt auf der gerade
in der fuenfzigsten runde
kuehlersterben kuehlersterben
deine hand nestelt am naehzeug
du wisperst
kuehlersterben kuehlersterben
ich fass dir zwischen die schenkel
cool baby cool
meine hand oeffnet deinen reissverschluss
die boxen sind fern
und die techniker stecknadelkoepfe
kommen zoegernd ins bild
wie hilflos sie winken
im roten overall
dein mund
der gummizug zieht sich zusammen
kuehlersterben kuehlersterben
deine hand wird unsicher
so nah am ziel
loest sich die sicherheitsnadel vom zug
wer faedelt das wieder ein
du drueckst mir den slip in die hand
und den gummizug
echt cool baby cool
(Erstabdruck
in "POLYZEI - poetry & lyrik zeitschryft", Nr. 06/98,
Herausgeber: Franz Staab & Herbert Wurm, Aschaffenburg.
(c) Maik Lippert)
fruehling
sagst du &
sehnst dich nach gruen
im haar & ich stehe am fenster
suche die tauben
finde nur blanke oberleitungen &
vertreter fuer mikrowellen
geschirr die lange die regennassen
schuhe am abtreter wetzen
sie haben die tauben vergiftet
habe ich getraeumt &
ich wollte eine anzeige nach dir
aufgeben mit dem titel knackiger knabe
gesucht dabei hast du
brustwarzen wie monde
zwecklos mich zu suchen sagst du &
ich stehe am fenster stammle ohne die tauben
ist es zu still & denke
an die morgen auf alten matratzen
mein schwanz pochte in dir
wie ein metronom & die tauben schlugen
brotgeil an die scheiben
(Erstabdruck
in: Ekkehard Schulreich & Maik Lippert
"Suizid wird nicht laenger strafrechtlich verfolgt",
Selbstverlag, Leipzig, 1995. (c) Maik Lippert)
sprich nicht im abteil
ueber edamer
klebt auch mond am fenster
die raeder stottern
beim buchstabieren der gleise
das abteil ist kein ort
zum mitesser zaehlen
an den stirnen deiner begleiter
riechst du die angst nicht
an ihren achseln
durchs abteil gehen
augen mit karabinern
(Erstabdruck
in "Zaepfchen. Junge Literatur, Nummer zweiundzwanzig.
Herausgeber: Robert Schumann. Faden Verlag der Edition Ost, 1997.
(c) Maik Lippert)
FRAUENBEINE
treppauf
zur plattform
wollustarmeen
erproben den tag
taeglichen aufstand
doch die s-bahn
rettet uns
in die schlipsetagen
dorthinauf
laufen sie hoechstens
sich krampfadern
oder ?nen notizblock
zwischen die scham
(Abdruck
in "POLYZEI - poetry & lyrik zeitschryft", Nr. 07/99,
Herausgeber: Franz Staab & Herbert Wurm, Aschaffenburg.
(c) Maik Lippert)
H2O2
lernte ich
buchstabieren
wie milchzaehne zaehlen
mit gebleichtem haar
war mutter ein silberfisch
an der blumentapete
kam vater
ptolemaeus von der konsumgaststaette
setzte die fixsterne
mit der pipette
ins entzuendete ohr
mutters augen versprachen
kamille kompressen
das haar fotoraender
H2O2 buchstabierte ich vom flaschenetikett
der chemiker der zukunft
durfte aus der kueche das bier bringen
an vaters schlaefe dem fieber nachlauschen
einen im gehoergang gefangen
ohrenkriecher mit zierlicher zange
(Erstabdruck
in "Zum anderen Ufer", Herausgeber:
Holger Oertel u. Norbert Weiss,Verlag Die Scheune, Dresden, 1999.
(c) Maik Lippert)
ROLLTREPPE
metallische
stufen
wie koennen die fahren
metallische stufen
wie koennen die fahren
ein fluch ist dahinter
und eine kette
ein fluch ist dahinter
und eine kette
(Erstabdruck
in "Best of Kudernatschs Kautsch",
Herausgeber: Andr? Kudernatsch. Edition Freiberg,
Leipzig/Markkleeberg/Wittenberg, 1999.
(c) Maik Lippert)
Darmstadt,
26. März 2001
Literarischer März 2001
Leonce- und Lena-Preis geht an Silke Scheuermann und Sabine Scho /
Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise erhalten Mirko Bonné, Maik Lippert und
Hendrik Rost
Der Leonce-und-Lena-Preises 2001 geht an zwei Preisträgerinnen:
Silke Scheuermann (Frankfurt am Main) und Sabine Scho (Hamburg).
Die Preissumme von insgesamt 15.000 DM wurde geteilt zu je 7.500 DM.
Der Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis mit einer Gesamtsumme von ebenfalls
15.000 DM wurden zu gleichen Teilen von je 5.000 DM den drei Autoren Mirko
Bonné (Dassendorf), Maik Lippert (Kleinfahner) und Hendrik Rost (Gescher)
zuerkannt.
Die Preise des bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikwettbewerbes für junge
Autorinnen und Autoren wurden von Oberbürgermeister Peter Benz und dem
Ehrengast des Literarischen März 2001, dem Lyriker Thomas Kling, zum Abschluss
des Wettbewerbs überreicht.
Die Jury, der Sibylle Cramer, Dieter M. Gräf, Anton G. Leitner, Ilma Rakusa
und Raoul Schrott angehörten, begründeten diese Entscheidungen im Wortlaut:
"Silke Scheuermann erhält zusammen mit Sabine Scho den diesjährigen Leonce-und
Lena-Preis in Anerkennung der Eigenständigkeit ihres Tonfalls, einer Melodik
ironischer Melancholie, die genau gefügt ist und dennoch die Dinge fast
wie beiläufig zu umfassen weiß; hier verspricht eine noch junge Dichterin
mit einer Leichtigkeit vom Fragilen aller Erinnerung und Liebe zu erzählen,
um ihnen Raum zu geben und damit zu Poesie zu werden."
Sabine Scho erhält zusammen mit Silke Scheuermann den diesjährigen Leonce-und-Lena-Preis
in Anerkennung für ein vielstimmiges, vielperspektivisches, hochkomplexes
lyrisches Sprechen, das zeigt, was Lyrik zuallererst ist: ein schönes
Spracherweiterungsprogramm. Auf bravouröse Weise löst die Autorin die
große alte Aufgabe der Dichtung, ein äußerst zufälliges in ein ganz einzigartiges
Leben zu verwandeln."
Die Begründungen für die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise lauten:
"Mirko Bonnés Gedichte entspringen oft alltäglichen Beobachtungen. Geschickt
verwebt er Umgangssprache und Fachsprache miteinander. Durch die inhaltliche
und sprachliche Engführung von Alltag und Pathos gelingt ihm der Balanceakt,
lakonische Gedichte zu erzeugen, die eine innere Spannung bergen."
"Maik Lipperts den Alltag aufwirbelnde Gedichte bringen verschmitzt
eine ungekünstelte Frische ins zeitgenössische Gedicht, den plebejischen
Mutterwitz eines hemdsärmeligen Barden."
"Hendrik Rost sachlich-zerebrale Lyrik zeichnet sich durch klare Bilder
und einen Hang zur Sentenz aus. Mit formaler Ökonomie werden Alltagssituationen
und naturwissenschaftlich-philosophische Sachverhalte zur Sprache gebracht.
Das poetische Parlando gibt sich lakonisch sowie ironisch, indem es -
nicht zuletzt über Motti - den Dialog mit fremden Texten sucht."
Zugelassen zum Wettbewerb waren zehn vom Lektorat ausgewählte Bewerberinnen
und Bewerber, die sich in Lesungen von jeweils 12 Gedichten am Freitag
(23.) und Samstag (24.) präsentierten. Alle Beiträge wurden im Anschluss
an die Lesungen öffentlich diskutiert. Die Preisträgerinnen und Förderpreisträger
des Literarischen März 2001 werden im Rahmen der Zusammenarbeit mit der
literaturWERKstatt berlin am 9. April 2001 um 20 Uhr in Berlin ihre Gedichte
lesen und auf der audio-visuellen Internet-Plattform www.lyrikline.org
mit selbst gesprochenen Gedichten und ihrer Bio-Bibliographie vorgestellt.
Bewerbungsfoto von Maik Lippert
nach
oben
www.slamffm.de
|